Unsere Agile Agenda - ein Blick in die Werkstatt, Teil I

(Kommentare: 1)

Ohne Vertrauenskultur keine Agilität - ohne Agilität kein digitaler Wandel

Achtung Buzzwordalarm! Unser Wirtschaftssystem steht vor einem disruptiven Wandel gigantischen Ausmaßes. Die Digitalisierung verändert radikal nahezu alle Geschäftsmodelle und Arbeitsabläufe. Ok, das hören und lesen wir überall und wir wissen inzwischen auch, dass das nicht nur eine große Herausforderung für Marketingstrategen und Technologen ist, sondern dass zusätzlich insbesondere Organisations- und Personalentwickler gefragt sind, einen erfolgreichen Wandel zu ermöglichen. Die Unternehmenskultur muss radikal veränderungsfreundlich sein, sagt man. Was heißt das aus meiner Sicht? Wenn radikale Veränderungen möglich sein sollen, ist Agilität gefragt. Agilität im Sinne von dezentralen, d.h. kundennahen Entscheidungen, im Sinne von Selbstorganisation, im Sinne von Fehler- und Lernkultur, im Sinne von kurzen Auslieferungszyklen und vielen anderen Dingen, die man auch mit SCRUM verbindet. Diese Arbeitsweise klingt vernünftig und logisch, bedingt aber Vertrauen als entscheidendes Element der Unternehmenskultur. Vertrauenskultur ist die notwendige Voraussetzung für den erfolgreichen digitalen Wandel, oder anders ausgedrückt: Ohne Vertrauenskultur keine Agilität und ohne Agilität kein erfolgreicher digitale Wandel. Ohne Vertrauen funktioniert es einfach nicht mit dezentralen Entscheidungen, Selbstorganisation und Fehlerkultur. Ich meine damit eine tief verwurzelte und systemisch gestützte Haltung und nicht das allerorts immer schnell gegebene Lippenbekenntnis.

Das Unternehmen zukunftssicher aufstellen mit der Agilen Agenda

Mit Vertrauenskultur kennen wir uns bei noventum aus und entwickeln diese immer weiter, indem wir uns regelmäßig dem Audit des Great Place to Work Instituts unterziehen. Sind wir deshalb aber auch schon agil? Wie agil müssen wir überhaupt sein, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, um den Wandel bei unseren Kunden zu unterstützen und um uns selbst zu wandeln? Diese Frage hat mich in den letzten Monaten so sehr bewegt, dass ich meinem Führungsteam den Vorschlag gemacht habe, dieses für uns gründlich zu prüfen und ein strategisches (agiles) Projekt aufzusetzen. Als Rahmen für das Kick-Off nutzen wir unseren strategischen Kaminabend, ein seit zwei Jahren etabliertes Forum, bei dem sich strategisch Interessierte des Unternehmens aller Rollen und Unternehmensbereiche dynamisch zusammenfinden, um sich gegenseitig Impulse zur Unternehmensentwicklung zu geben. An diesem Montag, dem 23. Januar 2017 wollen wir jedoch mehr erreichen, als einen unverbindlichen Impuls zu geben. Wir werden beginnen, uns eine Agile Agenda zu geben, die in den nächsten Jahren einen großen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens leisten soll. Dazu haben wir sowohl die Beratung des Unternehmensdemokraten und Agilitätsexperten Dr. Andreas Zeuch wie auch die Unterstützung und wissenschaftliche Begleitung der Fachhochschule Münster eingeplant.

Wie agil muss ein IT-Beratungsunternehmen eigentlich sein? Diese Frage möchte aus zwei Perspektiven betrachten. Einerseits stellt sich mir diese Frage in Bezug auf die Agilität in Kundenprojekten. Zum anderen möchte ich diese Frage auch in Bezug auf unsere internen Prozesse unabhängig von einzelnen Kundenprojekten stellen.

Anforderungen an die externe Agilität

Bezüglich der Agilität in Kundenprojekten ist erst einmal festzuhalten, dass insbesondere bei großen Organisationen die Systeme und Strukturen des Kunden der limitierende Faktor sind. Je nach Grad der Kundenagilität können wir unsere Projektarbeit auch mit agilen Arbeitsweisen durchführen und damit dann die Vorteile dieser Arbeitsweisen nutzen. Dazu müssen unsere Mitarbeiter natürlich mit agilen Methoden vertraut sein, was auf jeden Fall im Rahmen unserer Agilen Agenda zu dem Ausbildungsprogramm der Berater gehört. Darüber hinaus flechten wir die Aspekte der Gestaltung einer Vertrauenskultur und agilen Handelns in die uns übertragenen Veränderungsprojekte ein. Dabei ist uns sehr wohl bewusst, dass es mit einem Arbeitspaket „Change Management“ im Rahmen eines Veränderungsprojektes nicht getan ist. Die Entwicklung von Agilität und Vertrauenskultur ist eine projektübergreifende Herausforderung.

Anforderungen an die interne Agilität

Wenn ich Agilität in Bezug auf die internen Prozesse bei noventum in den Fokus nehmen, so können wir hier nahezu ohne externe Restriktionen ein System entwickeln, welches für das Unternehmen die besten Voraussetzungen für eine gute Zukunft bietet. Wir werden in den nächsten Monaten im Rahmen unsere Agilen Agenda einige Fragen beantworten, z.B.

-Stellen wir unsere Planungsprozesse im Sinne von „Vorbereitung statt Planung“ um?

- Demokratisieren wir unsere Entscheidungen? Wollen wir Führungskräfte wählen?

- Werden wir noch transparenter? Soll jeder immer alles wissen?

- Kultivieren wir Fehler, um noch wirkungsvoller zu lernen?

- Steigern wir unsere Partizipation noch weiter?

- Brauchen wir im Rahmen der Selbstorganisation neue Arbeitszeitmodelle?

- Können wir unsere Kunden bei unserem Business Development noch zeitnäher und intensiver einbinden?

- Sehen unsere Meetings demnächst ganz anders aus?

- Brauchen wir neue Werkzeuge zur wirkungsvollen Kollaboration?

- Brauchen wir eine modernere Büroinfrastruktur?

- Und ganz wichtig: Wie müssen wir zukünftig unsere Führungskräfte auswählen und fördern?

Selbstorganisation braucht Führung

Fragen über Fragen. In jedem Fall ist wohl ein durchdachtes System erforderlich, damit aus Agilität nicht Chaos wird. Selbstorganisation braucht Führung, das hat schon der Managementautor Boris Gloger in seinem gleichnamigen Buch herausgearbeitet. Ich kann das nur unterstreichen. Populäre Systeme zur Förderung von Agilität sind z.B. Holacracy, verbreitet von Brian Robertson und SCRUM, verbreitet von Jeff Sutherland. Ob diese Systeme tatsächlich das Heil bringen, was sie versprechen, darf angezweifelt werden. Auf einer etwas größeren Flughöhe, empfehle ich eine Beschäftigung mit dem beta codex von Niels Pfläging in seinem Buch „Organisation für Komplexität“. Die entsprechenden Literaturhinweise findet Ihr unten. Ob diese Systeme zu uns passen, ob wir sie dann in aller Konsequenz einführen müssen oder ob wir im Sinne eines „best of breed“ ein ganz eigenes System entwickeln müssen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

Für unseren Veränderungsprozess in Richtung von (noch) mehr Agilität gelten in jedem Fall bei uns folgende drei Grundsätze:

- Jeder darf mitbestimmen, keiner muss mitbestimmen UND alle tragen die Konsequenzen

- Die Türen stehen jederzeit offen. Im wörtlichen und im übertragenen Sinne.

- Wir praktizieren radikale Transparenz im Prozess, es gibt keine geheimen Klausuren im Veränderungsprozess

Die Türen stehen offen

Am 23. Januar erfolgt der Kick-Off gemeinsam mit Dr. Andreas Zeuch und Mitte des Jahres soll ein solider Wurf einer Agilen Agenda für unser Unternehmen stehen. Was dazwischen passiert, wird wohl hochdynamisch sein. Ich bin sehr gespannt und ausgesprochen optimistisch, denn das Fundament, eine tief verwurzelte Vertrauenskultur, ist seit langem etabliert. Ihr seid herzlich dazu eingeladen, uns bei dem Prozess in Richtung von der Agilen Agenda zu beobachten. Auch für Euch stehen die Türen offen.

Im Blogeintrag vom 30.1. berichte ich vom Kick-Off der Agilen Agenda und von den nächsten konkreten Schritten. Ich würde mich freuen, wenn Ihr dann auch wieder meinem Kanal einschaltet.

Bücher

Boris Gloger: Selbstorganisation braucht Führung

Brian Robertson: Holacracy

Jeff Sutherland: Scrum

Pamela Meyer: Agility Shift

Niels Pfläging: Organisation für Komplexität

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Kommentar von Frank Kleinert |

Danke für die Einladung. Ich bin sehr gespannt.

Bitte rechnen Sie 5 plus 4.